Neue Studie: Belttunnel ist so oder so völlig fragwürdig

In der dänischen Fachzeitschrift „Ingeniøren“ (vollständiger Name: Nyhedsmagasinet Ingeniøren) konnte man in dieser Woche einen Artikel mit folgender Überschrift finden:

(Hier finden Sie den Artikel….)

Lesen Sie hier eine Pressemitteilung des Bundestagsabgeordneten der Grünen, Dr. Konstantin v. Notz dazu…

Ny beregning: Skatteyderne kommer til at hænge på en del af Femern-regningen

was übersetzt in etwa so lautet:

NEUE BERECHNUNG: DIE STEUERZAHLER WERDEN AUF EINEM TEIL DER FEMERN – RECHNUNG HÄNGEN BLEIBEN

Nachfolgend die komplette Übersetzung des Artikels – Dank an unsere Mitstreiterin Irene Siepenkort:

Eine neue Berechnung zeigt, dass der Femern – Tunnel kaum alleine von den Einnahmen der Autofahrer bezahlt werden kann.
Neue Prognosen für den Tunnel müssen her, da sind sich die Forscher einig. Die Steuerzahler werden mit großer Wahrscheinlichkeit einen Teil der Rechnung für den Femern – Tunnel bezahlen, der ursprünglich ja durch die Nutzer finanziert werden sollte. Das zeigt eine neue und einzigartige Berechnung, ausgearbeitet vom Zivilingenieur und ph.d. Hans Schjær-Jacobsen, früherer Rektor von der DTU Diplom.

Laut der Berechnung liegt die Wahrscheinlichkeit nur bei 7,5 %, dass die Rückzahlungszeit für den Tunnel unter 40 Jahre dauern wird,  in Bezugnahme der höheren Baupreise, niedrigere EU-Mittel, niedrigere Preise und weniger Autos auf der Überfahrt Rǿdby-Puttgarden,  als in den Voraussetzungen, die die Grundlage für die Prognosen von Femern A/S bilden. Das Risiko, dass die Verbindung erst nach mehr als 50 Jahren zurück bezahlt ist, liegt bei 37 %, während das wahrscheinlichste Ergebnis eine Rückzahlungszeit von 40 bis 50 Jahren  ist.

Politisch ist man sich einig, dass eine Rückzahlungszeit von über 50 Jahren unakzeptabel ist, da man damit riskiert, dass die Verbindung
den “ Zinstod “ erleidet, aber auch Rückzahlungszeiten zwischen 40 und 50 Jahren sind problematisch. Wenn es nicht gelingt, den Tunnel via Nutzer zu finanzieren, wird der dänische Steuerzahler Garant sein für größten Teil der 64,4 Mia. Kr., wo das Budget z. Zt. liegt.

EIN SELBSTENTWICKELTES MODELL

Hans Schjær-Jacobsen hat ein halbes Jahr  gebraucht, sein eigenes finanzielles Modell für den Femern-Tunnel zu entwickeln, da er das
Femern A/S -Modell nicht ausgeliefert bekam. Er kritisiert, dass die Prognosen von Femern A/S  mehrere Parameter nicht berücksichtigen,  wie z.B. die Voraussagen über die Anzahl der Autos und die Baukosten, die zur selben Zeit ins Rutschen kommen können.

„Das hier ist ein „Hochrisikoprojekt“, und das beleuchtet Femern A/S nicht. Sie müßten mit der Kombination von mehreren Risiken arbeiten,  wie es normalerweise gemacht wird“, sagt HSJ, der am Dienstag seine Resultate präsentierte bei einer Konferenz, die von der Firma  Palisade abgehalten wurde. Eine Firma, die Software für Berechnungen von Unsicherheiten entwickelt.
Der Ingenieur hat Methode und Resultate einer Reihe von Wirtschaftswissenschaftlern und Transportforschern vorgestellt, u.a. Assistent Morten SKou Nicolaisen von der Aalborg Universität , der große dänische Anlagenprojekte studiert hat.
„Die Alarmglocken des Femern-Tunnels läuten schon lange Zeit, und diese Berechnungen müssen Anlass geben für gründliche  Überlegungen. Die primäre Aufgabe des Verkehrsministers muss die Absicherung sein, das Projekt robust zu halten gegen eine Reihe von verschiedenen Zukunftsszenarien, damit man nicht plötzlich mit einem Extraticket für die Steuerzahler dasteht,“ sagt er. Laut Lektor Kim Bang Salling von der DTU zeigen neue Forschungen, dass große Projekte im Durchschnitt 33% teurer werden als veranschlagt. Er meint, dass HSJ relativ konservative Schätzungen in seiner Prognose benutzt.
„Es gibt eine riesige Unsicherheit über die Zurückzahlungsperiode, und darüber wird in dem Material , welches Femern A/S präsentiert hat, nicht reflektiert, was die Berechnungen von HSJ ja auch zeigen,“ sagt Kim Bang Salling.  HSJ `s Methode eines alternativen Finanzmodells werden von allen Forschern gutgeheißen. Einige sind jedoch skeptisch gegenüber des   Inhalts und der Methode, mit denen er die genaue Wahrscheinlichkeit der Rückzahlungsperiode berechnet, aber sie teilen alle die Kritik an den Berechnungen, die der Öffentlichkeit und den Politikern bisher präsentiert wurde.

DIE UNSICHERHEIT MUß BELEUCHTET WERDEN

Prof. Mogens Fosgerau von der DTU- Transport will sich nicht festhängen an den genauen Berechnungen von HSJ: „Aber wenn wir davon ausgehen, daß er das richtige Rechenstück einigermaßen reproduzieren kann, dann gehört nicht mehr viel dazu, daß die Rückbezahlungszeit richtig lang wird. Deshalb fordere ich dazu auf, die Unsicherheiten gründlichst zu beleuchten , auch wenn mehrere Sachen gleichzeitig schief laufen,“ sagt er.

Die Baufirmen gaben im letzten Jahr ihre Angebote für den Bau des Tunnels ab. Sie waren 8,9 Mia. Kr. teurer als erwartet. Gleichzeitig ist  Deutschland mit der neuen Bahnstrecke nach Puttgaden verspätet, und das Planfeststellungsverfahren fehlt immer noch.  Deshalb hat Femern A/S mit den Baufirmen verhandelt. Sie sollen mehr Zeit für den Bau des Tunnels bekommen und dadurch den Preis senken. Das Resultat dieser Verhandlungen soll der politischen Mehrheit Ende dieses Monats vorliegen.

Laut Pressechef Jens Villemoes von Femern A/S benutzt die Gesellschaft ein Berechnungsmodell, das vom Ø resundkonsortium entwickelt und in dere Besitz ist, und es ist im übrigen mit neuen Zahlen auf dem Weg: “ Wir sind dabei, eine angepasste finanzielle Analyse auszuarbeiten mit allen ökonomischen Komponenten, die Auswirkung auf die Ökonomie des Projekts haben und damit auch auf die Rückzahlungszeit. Dazu gehört auch die Beurteilung der „starken“ Angebote, die wir gerade von den Bauunternehmern für die großen Tunnelverträge bekommen haben“, sagt er.

 

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